Meistens belehrt
erst der Verlust
uns über den Wert der Dinge.

ARTHUR SCHOPENHAUER





Ausser der psychischen Bewältigung des Verlustes eines geliebten Menschen sind Verbliebene gezwungen, sich mit erbrechtlichen Fragen auseinanderzusetzen. Das Schweizer Erbrecht ist mit den anderen Rechtsgebieten sehr vernetzt, die bei der Bestimmung der Erben und der Erbteilung ebenfalls konsultiert werden: Mit dem Eherecht, Sachenrecht, Steuerrecht, Sozialversicherungsrecht, sowie oft mit dem internationalen Privatrecht. Ausser dem gesetzlichen Pflichtteil ist für das Erbrecht der Schweiz die ungleichmässige Verteilung der Vererbungssumme charakteristisch (ca. 10% der Erben erhalten rund 75% der Gesamtvererbungssumme; ca. 40% der Erben - fast 25% der Vererbungssumme und ca. 50% der Erben erhalten praktisch keine Erbschaft).

Testament (Verfügung von Todes wegen) und Erbvertrag


Bei der Errichtung des Testaments gilt folgendes zu beachten: Wer kann die Verfügung von Todes wegen errichten (ev. Frage der Handlungsfähigkeit)? Wie gross sind die Pflichtteile und die verfügbare "freie" Quote? Unter welchen Voraussetzungen kann jemand enterbt werden? Was kann der Erblasser inhaltlich verfügen? In welchen Formen kann der Erblasser verfügen - als letztwillige Verfügung oder als Erbvertrag? Welche sind die formellen Anforderungen an ein gültiges Testament? Wann sind die letztwilligen Verfügungen ungültig und wann kann die Vererbungssumme darin herabgesetzt werden?







Erbgang


Demnach soll bestimmt werden, wo und wann der Erbgang zu eröffnen ist, und ob der Erblasser und die Erben die gesetzlichen Voraussetzungen für die Eröffnung des Erbgangs erfüllen. Im Falle einer Gefährdung des Erbgangs können behördliche Sicherungsmassnahmen angeordnet werden.
Die Erstellung eines öffentlichen Inventars und damit der Überblick über die zu erwartenden Aktiven und Passiven, soll den Erben zur Entscheidung verhelfen, ob sie die Erbschaft annehmen oder ausschlagen werden.
Die Fragen der amtlichen Liquidation (im Falle der Ausschlagung) und der Erbschaftsteilung (Teilungsart, Ausgleichung, Abschluss und Wirkung der Teilung) bedürfen ebenfalls einer gesonderten Abklärung.

Erbschaftsklage /Ungültigkeitsklage / Herzabsetzungsklage


Den Erben stehen Auskunftsrechte gegenüber Miterben oder Dritten für die Geltendmachung ihrer Ansprüche zu. Mit der Erbschaftsklage wird der Anspruch der Erben auf Nachlassaktiven umgesetzt. Dies ist die Klage des nicht-besitzenden Erben gegen den besitzenden Nicht-Erben (d.h. eventuell gegen Willensvollstrecker, Erbschaftsverwalter, Erbenvertreter).
Der Ungültigkeitsklage kann sich einer der Erben oder Bedachten bedienen, der ein erbrechtliches Interesse hat, sowie vor dem Erbgang der Erblasser selbst. Damit kann die Verfügungsunfähigkeit des Erblassers, ein Willensmangel, als auch die Unsittlichkeit oder Rechtswidrigkeit der Verfügung von Todes wegen, oder ein Formmangel der Verfügung gerügt werden.
Die Herzabsetzungsklage zielt auf Herabsetzung der Verfügungen (Verfügungen von Todes wegen und Zuwendungen unter Lebenden), mit welchen der Erblasser seine Verfügungsbefugnisse überschritten hat, wie z.B. einer der zu niedrigen Ansetzung des Pflichtteils oder Zuwendungen an andere Personen, die zur Erbschaft hinzugerechnet werden müssen.